| Feder
in Braun auf Bütten, 126 x 180 mm.
Über
das Blatt verteilt einige im Ganzen nicht störende Fleckchen.
Der
Bildgedanke der römischen Ruinenlandschaft ist in dieser Zeichnung
auf eine kaum noch verkürzbare Bildformel gebracht. In dieser
Verkürzung und in der recht schwungvollen grafischen Inszenierung
der Bildzeichen liegt der eigentümliche Reiz dieses kleinen
Blattes, das so zu einer Chiffre der Italiensehnsucht und Antikenverehrung
wird.
Franz Kobell reiste nur einmal nach Rom. Sein Aufenthalt dauerte
von 1779 bis 1784. In Rom fand er ausführliche Gelegenheit
zum Studium der für ihn vorbildlichen Landschafter des 17.
Jahrhunderts, zu denen er auch Jan Both aber vor allem Claude Lorrain
zählte. Der unglaublich produktive Zeichner zehrte den Rest
seines Lebens von den in Italien gewonnenen Eindrücken.
Johann Wolfgang Goethe, der Franz Kobell besonders in der Zeit vor
seiner eigenen Italienreise sehr schätzte, späterhin aber
auch mit Kritik nicht verschonte, besaß eine umfangreiche
Sammlung an Kobell-Zeichnungen. Zu Goethes besten eigenen Zeichnungen
gehören einige ebenso komprimierte aber doch nicht so additiv
angelegte zeichnerische Formen, etwa der "Äskulaptempel
in einem See der Villa Borghese" (Femmel, Corpus der Goethe-Zeichnugen,
Bd. II, Nr. 285). Was bei Kobell immer auch noch Bildungslandschaft
ist, geht in diesen Zeichenproben ganz in der Stimmungslandschaft
auf. Kobells Ruinenphantasie wirkt wie ein Zwischenschritt. Der
vorliegenden Zeichnung vergleichbar ist Franz Kobells "Landschaft
mit Tempelruine" (Betandskatalog Kunsthalle Mannheim, N. 144).
Thomas
Herbig:
Franz Kobell. Ein Landschaftszeichner um 1800. Aquarelle, Zeichnungen,
Radierungen. Stein: Edition Idea 1997.
Von Mannheim nach München. Die Künstlerfamilie Kobell.
München 1993 (= Ausstellungskatalog Mannheim, München).
Manfred Fath (Hg.): Die Zeichnungen und Aquarelle des 19.
Jahrhunderts der Kunsthalle Mannheim. Bd. 1/2, Vom Klassizismus
zur Spätromantik. Zeichnungen und Aquarelle, 1770-1860, bearbeitet
von Monika Schulte-Arndt (zu Franz Kobell, Abb. 107-150).

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